Haus Zickert

Das Haus Zickert, von Ernst Sommerlad 1933 für den Financier Hermann Zickert errichtet, von Riederer/Bellasi als Sommerlads «kühnstes Stück bezeichnet», denkmalgeschützt, heute im Besitz von Lucas Ospelt, das 2016/2017 unter strenger Observanz renoviert werden wird, ist das erste Projekt der Stiftung Sommerlad. Das Konzept lässt verschiedenste, noch zu erörternde Nutzungen zu. Darunter befinden sich Sommerlad-Archiv genau so wie ein Kulturhaus.

 

 

 

über den damaligen Besitzer

Hermann Zickert
Deutscher Börsenpionier

 

Schule, Studium und Einstieg ins Berufsleben
Hermann Zickert wurde am 8. Juni 1885 in Eisleben, Kreisstadt im Bezirk Halle (D), als Sohn des Fleischermeisters Gustav Zickert geboren. Nach vier Jahren Bürgerschule besuchte er das Königliche Gymnasium in Eisleben und das Fürstliche Gymnasium in Sondershausen, wo er im September 1904 die Reifeprüfung ablegte. Anschließend studierte Zickert an der renommierten Königlichen Bergakademie in Freiberg (Sachsen), der ältesten Bergakademie der Welt (gegründet 1765), sowie in München, Berlin und Heidelberg. In Heidelberg belegte er Vorlesungen und Seminarübungen bei namhaften Professoren wie Gothein, Rathgen, Marcks und Hampe. Mit 22 Jahren promovierte Hermann Zickert am 14. Oktober 1907 an der Ruprecht-Karls-Universität in Heidelberg zum Dr. phil. Das Thema seiner Dissertation lautete: »Die Entwicklung des Absatzes der böhmischen Braunkohle und ihre Bedeutung für die Kohlenversorgung Mitteldeutschlands von der Mitte des neunzehnten Jahrhunderts bis zum Jahre 1906«. Bereits 1908 folgte die Abhandlung »Die wirtschaftliche Bedeutung der böhmischen Braunkohlen im Vergleiche mit den benachbarten Kohlen-Industrien des In- und Auslandes«. Nach Abschluss des Studiums arbeitete Zickert zunächst als Wirtschaftsredakteur beim Berliner Tageblatt und wurde dann Herausgeber der Finanzzeitschrift Wirtschaftlicher Ratgeber.

Wohnsitznahme in Liechtenstein
Für Zickert waren 1931 zwei Gründe ausschlaggebend für seinen Domizilwechsel von Deutschland nach Liechtenstein. Diese erläuterte er im September 1931 in der neunten Nummer seiner Zeitschrift Wachet auf! Aktuelle Wirtschaftskorrespondenz folgendermaßen: »Die gegenwärtigen wirtschaftlichen Zustände in Deutschland erfordern ein starkes Maß von Kritik,

 

 

 

 

einer Kritik an allen Stellen, die für die  bisherige Leitung der öffentlichen und privaten Organisationen verantwortlich sind… Zweitens liegt ganz Deutschland unter einem schweren psychologischen Druck, dem sich kaum jemand entziehen kann, der aber dazu führen kann, dass die Gegenwart oder die Zukunft falsch gesehen wird. Wer ein wirklich freies, objektives Urteil erhalten will, muss sich deshalb dieser ganzen Atmosphäre entziehen und einen freieren, weiteren Blick gewinnen, die Meinungen des Auslandes auf sich wirken lassen.«

Hausbau in Vaduz
Hermann Zickert, seine Frau Herta (23. 4. 1892 bis 20.11.1969) und ihre fünf Kinder wohnten nach der Übersiedlung von Deutschland nach Liechtenstein zunächst in Schaan. Da bei der dortigen Einwohnerbehörde die Unterlagen zu den Dreißigerjahren nicht mehr vorhanden sind, können keine genauen Angaben zum An- und Abmeldedatum gemacht werden. Aufgrund der Aufzeichnungen in den Steuerbüchern kann jedoch davon ausgegangen werden, dass die Familie Zickert von 1931 bis 1933 in Schaan lebte, und zwar zunächst im Haus Nr. 236 (heute Kirchstraße 5) und dann im Haus Nr. 219 (heute Bahnstraße 3). Im Lauf des Jahres 1933 dürften die Zickerts in ihr neu errichtetes Haus Nr. 315 (heute Feldstraße 17) in Vaduz gezogen sein. Das Gebäude entstand nach Plänen des in Vaduz ansässigen deutschen Architekten Ernst Sommerlad, der als Wegbereiter der modernen Architektur in Liechtenstein gilt. Damals war das Objekt nicht unumstritten; vor allem das Flachdach gab zu reden. So schrieb Baumeister Emil Walch am 22. Juli 1932 an die Gemeindevorstehung von Vaduz: »Wie ich vernommen betreff Neubau Zickert im Feld, ist bis heute noch keine Bewilligung zur Erstellung dieses Hauses erteilt worden von Seite der Gemeinde.

Da mir bereits schon der Auftrag über [die] Ausführung des Baues erteilt wurde [und ich] Bauholz auf den Platz geführt habe und mit der Ausbezahlung der Arbeiter zurückgehalten [wurde] mit der Hoffnung, an diesem Bau anfangen zu können, möchte ich die löbl. Gemeindevertretung ersuchen, die Bewilligung zu erteilen, da für die Nichtausführung von Flachdächern bis heute noch kein Gesetz besteht und schon verschiedene ausgeführt sind, andernfalls dieser Bauherr nach Schaan übersiedeln wird.«9 Am 24. Juli 1932 richtete die Gemeinde Vaduz dann folgendes Schreiben an Ernst Sommerlad: »Wir teilen Ihnen mit, dass der Neubau Zickert vom Gemeinderate bewilligt wurde unter der Bedingung, dass das Dach an der niedrigsten Stelle 6 m über dem Erdboden zu liegen komme; das Projekt wurde an das Bauamt weitergeleitet. Im übrigen möchten wir feststellen, dass im Gemeinderate für den Dorfrayon Flachdächer nur ausnahmsweise bewilligt werden und für einstöckige Häuser überhaupt nicht.« Baumeister Emil Walch wurde am gleichen Tag von der Gemeinde kurz und bündig informiert, dass der »Bau Zickert« genehmigt worden sei.11 Am 21. September 1992 wurde beschlossen, das Wohnhaus an der Feldstraße 17 in Vaduz unter Denkmalschutz zu stellen. Die Verfügung trat allerdings erst 1998 in Kraft, nachdem Freia Zickert ihren Einspruch vorbehaltlos zurückgezogen hatte. In der Begründung für die Unterschutzstellung heißt es unter anderem, das Gebäude repräsentiere angesichts »seiner architektonischen besonderen Ausdrucksform ein wichtiges Zeitzeugnis moderner Architektur in Liechtenstein«.12 Das zweigeschossige Wohnhaus mit Flachdach, das »unter maßgeblicher Vorgabe des Bauherrn Hermann Zickert« geplant wurde, »charakterisiert sich durch seinen viertelkreisförmigen Grundriss, der auf Grundstück, Aussicht und Orientierung Bezug nimmt.«

 

Link zum Artikel von Karlheinz Heeb:
Hermann Zickert, Deutscher Börsenpionier